Was ist der Tracking Error?
Der Tracking Error misst die Standardabweichung der Renditeabweichungen eines Portfolios oder Fonds von seiner Benchmark. Er zeigt, wie konsistent ein Fonds seinen Referenzindex nachbildet oder davon abweicht. Ein niedriger Tracking Error bedeutet enge Nachbildung, ein hoher signalisiert deutliche Abweichungen.
Für passive Anleger (ETF-Investoren) ist ein niedriger Tracking Error wünschenswert – der ETF soll den Index möglichst exakt abbilden. Für aktive Fondsmanager kann ein moderater Tracking Error gewollt sein, da er auf aktive Anlageentscheidungen hinweist, die zu einer Outperformance führen können.
Tracking Error vs. Tracking Difference
Während der Tracking Error die Schwankung der Abweichungen misst, zeigt die Tracking Difference die kumulative Renditedifferenz zwischen Fonds und Index über einen bestimmten Zeitraum. Für ETF-Anleger ist die Tracking Difference oft aussagekräftiger, da sie die tatsächlichen Kosten der Indexnachbildung widerspiegelt.
Beispiel: Ein ETF mit 0,1 % Tracking Error aber −0,5 % Tracking Difference bildet den Index sehr konsistent nach, bleibt aber systematisch um 0,5 % pro Jahr dahinter zurück (durch Verwaltungskosten). Ein anderer ETF mit 0,3 % Tracking Error und −0,1 % Tracking Difference schwankt stärker um den Index, liegt aber insgesamt näher dran.
Ursachen des Tracking Errors
Bei ETFs entsteht der Tracking Error durch: Verwaltungsgebühren (TER), Sampling-Methoden (nicht alle Indextitel werden gehalten), Dividendenbesteuerung, Cash-Drag (uninvestierte Bargeldbestände) und Währungseffekte. Bei physischen ETFs kann Wertpapierleihe die Tracking Difference sogar verbessern (positive Leiherlöse).
Bei aktiven Fonds resultiert der Tracking Error aus bewussten Abweichungen vom Index: Über- oder Untergewichtung einzelner Aktien, Sektorenwetten, Cash-Management und Markt-Timing-Entscheidungen. Ein hoher Tracking Error bei einem aktiven Fonds ohne entsprechende Outperformance ist ein Warnsignal.
Tracking Error Richtwerte
- ETFs auf große Indizes (DAX, MSCI World): 0,02–0,10 % – sehr enge Nachbildung
- ETFs auf Nischen-Indizes: 0,10–0,50 % – breitere Abweichungen durch Sampling
- Aktive Fonds mit Benchmark-Nähe: 1–3 % – moderate aktive Abweichungen
- Aktive Fonds mit hoher Überzeugung: 3–8 % – starke aktive Positionierung
- Tracking Difference ist für ETF-Anleger oft wichtiger als Tracking Error
- Vergleichen Sie ETFs auf den gleichen Index anhand ihrer Tracking Difference
Tracking Error berechnen: ein Rechenbeispiel
Der Tracking Error ist definiert als die Standardabweichung der aktiven Renditen – also der jährlichen Differenz zwischen Fonds- und Benchmark-Rendite. Wie sich der Tracking Error berechnen lässt, zeigt ein Beispiel über fünf Jahre:
| Jahr | Fonds-Rendite | Benchmark-Rendite | Aktive Rendite (Fonds − Benchmark) | Abweichung² |
|---|---|---|---|---|
| Jahr 1 | 11 % | 8 % | +3 % | 9 |
| Jahr 2 | 11 % | 12 % | −1 % | 1 |
| Jahr 3 | −3 % | −4 % | +1 % | 1 |
| Jahr 4 | 17 % | 20 % | −3 % | 9 |
| Jahr 5 | 6 % | 6 % | 0 % | 0 |
| Summe | – | – | 0 % | 20 |
Die Berechnung in drei Schritten:
- Aktive Rendite je Jahr = Fonds-Rendite − Benchmark-Rendite (Spalte 4).
- Mittelwert der aktiven Renditen = 0 % / 5 = 0 % – der Fonds lag im Schnitt exakt auf der Benchmark; die Tracking Difference ist hier also rund 0. Weil der Mittelwert 0 ist, entspricht die Abweichung vom Mittel der aktiven Rendite selbst, und die letzte Spalte ist deren Quadrat.
- Standardabweichung: Summe der quadrierten Abweichungen (20) geteilt durch die Zahl der Jahre (5) ergibt die Varianz 4; die Wurzel daraus ist der Tracking Error.
Tracking Error = √(20 / 5) = √4 = 2,0 %
Das Beispiel macht den Unterschied zur Tracking Difference greifbar: Obwohl der Fonds im Mittel genau die Benchmark traf (Tracking Difference ≈ 0), schwankte er Jahr für Jahr deutlich um sie herum – der Tracking Error von 2,0 % misst genau diese Schwankung. Ein reiner Index-ETF läge eher bei 0,1 %, ein aktiv gesteuerter Fonds mit Überzeugung bei 3–8 %. Die Renditewerte sind ein vereinfachtes Beispiel und keine Renditezusage.
Hinweis zur Methodik: Manche Datenanbieter teilen durch die um eins verringerte Jahreszahl (Stichproben-Standardabweichung), was einen geringfügig höheren Wert ergibt; aus Monatsdaten berechnete Werte werden mit dem Faktor √12 auf das Jahr hochgerechnet.
Tracking Error im Depot Risk Check
Im Depot Risk Check von Wealth Partners Tegernsee wird für jeden Fonds und ETF in Ihrem Portfolio der Tracking Error und die Tracking Difference analysiert. So sehen Sie, ob Ihre ETFs den Index effizient nachbilden und ob Ihre aktiven Fonds die höheren Kosten durch echte Outperformance rechtfertigen.
Besonders aufschlussreich: Der Vergleich des Tracking Errors verschiedener ETFs auf den gleichen Index zeigt, welcher Anbieter die beste Indexnachbildung liefert – ein wichtiges Auswahlkriterium, das über TER-Vergleiche hinausgeht.
Häufige Fragen
Was ist ein guter Tracking Error für einen ETF?
Was ist der Unterschied zwischen Tracking Error und Tracking Difference?
Warum weicht ein ETF von seinem Index ab?
Wie berechnet man den Tracking Error?
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